Ich habe eine Wohnung gemietet. Bei einem landeseigenen Unternehmen. Ich habe alles angekündigt, alles genehmigt bekommen, alles schriftlich. Ich habe ihnen vertraut.
Sie wussten, dass Asbest in meiner Wohnung verbaut war. Sie haben es mir nicht gesagt. Als ich renovierte — mit ihrer schriftlichen Erlaubnis — habe ich Asbest freigesetzt. In der Wohnung, in der meine Familie lebte.
Was danach passierte, hätte ich nie für möglich gehalten. Nicht von einem öffentlichen Unternehmen. Nicht von Menschen, die gegenüber Mietern einen Schutzauftrag haben. Ich wollte eine Erklärung. Ich bekam eine Strafverteidigungskanzlei. Ich wollte eine Entschuldigung. Ich bekam eine Gegenklage. Ich wollte menschlich behandelt werden. Man warf mir vor, ich würde „die Karte der Asbestbelastung" ziehen — und drohte mir mit Strafanzeige für die Renovierung, die sie selbst genehmigt hatten.
Die Polizei nahm den Fall ernst. KHK'in Tomalla vom LKA 336 ermittelte drei Monate lang und dokumentierte den schlimmstmöglichen Fall. Sechs Wochen später stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein. Ein einseitiger Bescheid. Begründung: kein öffentliches Interesse. Den Polizeivermerk erwähnte sie mit keinem Wort.
Jeder macht Fehler. Auch Unternehmen. Aber dann steht man dafür gerade — besonders wenn es sich laut der ermittelnden Beamtin um den schlimmstmöglichen Fall handelt. Stattdessen hat man die teuerste Kanzlei engagiert, um genau das zu verhindern. Wer so etwas entscheidet, ist nicht geeignet für den Job.
Es spielt ihnen in die Hand, dass die Gefahr nicht greifbar ist. Asbest tötet nicht sofort. Die Fasern sind unsichtbar, die Krankheiten kommen nach Jahrzehnten. Im Einzelfall nicht nachweisbar. Genau das macht das Verschweigen so billig — und genau deshalb wiegt es so schwer.
Was mich am meisten erschüttert hat: Das sind keine Gleichgültigen. Das sind Menschen mit einem expliziten Schutzauftrag gegenüber Mietern — Vorstände eines landeseigenen Unternehmens, Politiker in Aufsichtsgremien, Menschen die öffentlich von Verantwortung, Transparenz, Menschenrechten sprechen. Und wenn es drauf ankommt, werden die Ressourcen dieser Institutionen nicht zum Schutz der Mieter eingesetzt — sondern gegen sie. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Geschichte.
Für alle, die sich fragen, was auf sie zukommt
In Berlin leben Tausende Mieter in Wohnungen, von denen sie nicht wissen, dass Asbest darin verbaut ist. Viele ahnen etwas, aber schweigen — weil sie eingeschüchtert sind, weil sie nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen, weil sie befürchten, dass es nichts bringt.
Diese Seite löst das nicht. Sie kann nicht versprechen, dass der Rechtsweg funktioniert — mein eigener hat gezeigt, dass er es nicht immer tut. Aber sie kann zeigen, was auf einen zukommen kann. Was die typischen Schritte sind, welche Urteile es gibt, wie andere Mieter mit der Situation umgegangen sind, was Gutachter sagen, was die Rechtsprechung sagt — und wo die Grenzen des Systems liegen.
Es gibt gute Menschen. Eine Polizistin, die drei Monate gründlich ermittelt hat. Anwälte, die wirklich kämpfen wollen. Gerichte, die klar geurteilt haben: Der Vermieter muss informieren — tut er es nicht, ist das eine Pflichtverletzung. Das sind keine Garantien. Aber es sind Ankerpunkte.