Vom Staatssekretär, der im Jahr 2000 die Mieterinformation ablehnte, bis zum Oberstaatsanwalt, der 2022 die Einstellung des Strafverfahrens bestätigte: Diese Seite dokumentiert die Akteure des Berliner Asbest-Skandals.
Das System der Verflechtung
Kein Einzelversagen. Ein System. Staatssekretär, dann degewo-Vorstand. Parteifreunde im Aufsichtsrat. Eine Kanzlei, die Strafverteidiger und Krisenberater unter einem Dach vereint. Diese Seite dokumentiert die Verbindungen hinter dem Berliner Asbest-Skandal — mit Namen, Positionen und Zeiträumen.
Politisches Netzwerk
Die SPD-degewo-Verbindung
Drei Jahrzehnte personelle Verflechtung zwischen der Berliner SPD und der Führung der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft.
Die Zentralfigur — 30 Jahre Politik & Wohnungswirtschaft
Frank Bielka verkörpert wie keine andere Person die Verflechtung zwischen Berliner SPD und landeseigener Wohnungswirtschaft. Sein Karriereweg:
Zeitraum
Position
1985–1989
SPD-Bezirksstadtrat, Berlin-Neukölln
1989–1991
Bezirksbürgermeister, Berlin-Neukölln
1991–2003
Staatssekretär in drei Senatsverwaltungen (u.a. Stadtentwicklung)
bis 2002
Aufsichtsratsvorsitzender, degewo (parallel zur Staatssekretärs-Tätigkeit)
2003–2014
Vorstand, degewo (82.000 Wohnungen, ursprünglich rund 17.000 unter Asbestverdacht per 2018; per 31.12.2025 noch 23.883 (inkl. Verdacht), Drs. 19/25 368)
ab 2014
Geschäftsführer, degewo Nord
Warum ist das relevant?
Bielka war als Staatssekretär für Stadtentwicklung zuständig für die Rahmenbedingungen der landeseigenen Wohnungswirtschaft — und gleichzeitig (bis 2002) Aufsichtsratsvorsitzender der degewo. Er kontrollierte das Unternehmen also unmittelbar, dessen Mieterinformation er als Senatsvertreter ablehnte. 2003 wechselte er selbst in den degewo-Vorstand, was eine Berliner Parlamentsdebatte über eine Karenzzeit für solche Wechsel auslöste. In seiner Zeit als Vorstand (2003–2014) wurden Mieter nicht systematisch über Asbestbelastung informiert.
Scheel beantwortete 2019 als Staatssekretär drei Schriftliche Anfragen zur Asbestbelastung bei der degewo — während er gleichzeitig in deren Aufsichtsrat saß. Die Antworten nannten 15.978 betroffene Mieteinheiten, bestätigten das laufende Gerichtsverfahren und verneinten gleichzeitig das Mietminderungsrecht (Drs. 18/20 913, 18/21 259, 18/21 260).
degewo-Vorstandsvorsitzender. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Untreue: SPD-Parteispende in Höhe von 5.000 Mark aus dem Unternehmensumfeld (Fund-Raising-Dinner, August 2001). Nach einem BVerfG-Urteil von 1992 sind Parteispenden durch Unternehmen im öffentlichen Besitz verboten.
Eigensanierung seit 2022 — Gerald Gaedke, Geschäftsführer
Die hundertprozentige degewo-Tochterfirma erhielt 2022 vom LAGetSi die Zulassung zur Sanierung schwach gebundenen Asbests. Damit saniert der Verursacher der Asbestbelastung seine eigenen Versäumnisse — ohne dokumentierte unabhängige externe Qualitätskontrolle. Die geschätzten Gesamtkosten für den heutigen degewo-Bestand (23.883 Wohnungen inkl. Verdacht, Drs. 19/25 368): rund 240 Millionen bis 1,2 Milliarden Euro.
Quelle — degewo.de „Fachkompetenz bei der Asbestsanierung" (Pressemeldung, von degewo.de inzwischen entfernt); degewo Technische Dienste →
Abgeordnetenhaus — Opposition
Andreas Otto
Grüne — fragt seit 2013, bis heute
Otto versuchte 2013 mit einer Serie parlamentarischer Anfragen, Transparenz über das Asbestproblem der landeseigenen Bestände herzustellen. Senator Müller (SPD) im Plenum auf die Frage nach einem Sanierungsplan für 60.000 Wohnungen: „Kann ich spontan nicht beantworten.“ Die Senatsantwort auf KA 17/12300 behauptete, Mieter seien informiert worden — das LAGetSi widersprach. Ottos Bilanz 2014: „Der Senat nimmt das Asbestproblem nicht ernst.“ Beim damaligen Sanierungstempo würde die Beseitigung rund 150 Jahre dauern.
Otto fragt bis heute: Auch die aktuellen Kernzahlen dieser Website — Drs. 19/23 946 (2025) und Drs. 19/25 368 (2026) mit rund 58.847 Verdachtswohnungen — stammen aus seinen Anfragen.
degewo-Vorstand ab 2014 — im Handelsregister seit 2005 als Geschäftsführer
Christoph Beck ist seit 2005 im Handelsregister als degewo-Geschäftsführer eingetragen und übernahm 2014 den Vorstand nach Bielkas Ausscheiden. Unter seiner Führung wurde die Informationspolitik gegenüber Mietern bezüglich Asbestbelastung nicht grundlegend verändert. Im Strafverfahren forderte die Polizei einen 27-seitigen Handelsregisterauszug an (Bl. 116–142 d.A.).
Quelle — Handelsregister Berlin (degewo AG); Ermittlungsakte gegen degewo-Verantwortliche, Bl. 116–142
degewo — operatives Geschäft
Sandra Wehrmann
degewo-Vorständin Januar 2018 – November 2025
Sandra Wehrmann verantwortete acht Jahre lang das operative Geschäft der degewo — Wohnungsbewirtschaftung und Mieterbetreuung, das Ressort, in dem über Mieterinformation und Bestandssanierung entschieden wird. Gemeinsam mit Christoph Beck unterzeichnete sie am 21. März 2025 den Konzernlagebericht 2024, in dem das Risiko „Schadstoffe" mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 0 % für den Zeitraum 2025–2029 ausgewiesen wird — die einzige der fünf Risikopositionen mit 0 % (vgl. Faktencheck Behauptung 15). Wehrmann verließ degewo zum 15. November 2025 „auf eigenen Wunsch aus persönlichen Gründen" und übernahm zum 1. Januar 2026 die CEO-Position bei Vivawest GmbH (Gelsenkirchen). Nachfolge im operativen Ressort: Pascal Atzert.
Die degewo kommuniziert nach einem erkennbaren Muster: Asbestgefahr verharmlosen, Verantwortung auf Mieter umlenken, konkrete Fragen ausweichen. Zwei Personen stehen exemplarisch für diese Strategie.
degewo — Unternehmenskommunikation
Sabrina Gohlisch
Spezialistin interne Kommunikation — degewo AG
Gohlisch verfasste 2018 die offizielle degewo-Stellungnahme an die Berliner Woche. Sie verlagerte die Verantwortung auf den Mieter: Er habe „entgegen der ausdrücklichen Vereinbarung" gehandelt. Was sie nicht erklärte: Warum die degewo überhaupt eine Renovierung in einer Wohnung genehmigte, deren Asbestbelastung sie seit dem Jahr 2000 kannte. Nicht der Mieter hat gegen eine Vereinbarung verstoßen — die Vereinbarung hätte nie erteilt werden dürfen. Die vollständige Analyse →
Die Formulierung „unbeschädigte Floor-Flex-Platten stellen keine Gesundheitsgefahr dar" wurde zur zentralen PR-Linie der degewo — dieselbe Argumentation, die Kanzlei EKSK parallel im Gerichtsverfahren vortrug.
Warum ist das relevant?
Gohlischs E-Mail zeigt, wie die degewo ihre Kommunikationsstrategie koordinierte: Die gleichen Behauptungen, die Dr. Schork im Gerichtsverfahren vortrug, wurden parallel über die Unternehmenskommunikation an Medien verbreitet. Die Opferumkehr — der Mieter als Vertragsbrecher, nicht die degewo als Informationsverweigerin — gehörte zur parallelen Kommunikationslinie der degewo, die zeitgleich im Gerichtsverfahren vorgetragen wurde.
Gohlisch ist weiterhin bei der degewo tätig — heute als Spezialistin interne Kommunikation (Stand März 2026, LinkedIn).
Quelle — Sabrina Gohlisch, degewo Unternehmenskommunikation, E-Mail an Berliner Woche (Dirk Jericho), 27.11.2018; Faktencheck →
degewo — Pressesprecher
Paul Lichtenthäler
Ehem. Pressesprecher — ARD Kontraste (16.01.2020)
Lichtenthäler beschrieb im ARD-Magazin Kontraste die Kommunikationsstrategie der degewo öffentlich. Aus der von ihm formulierten Abwägung zwischen „Hysterie" und „sinnvoller Information" wird erkennbar, dass die Nicht-Information eine Strategie war, kein Versäumnis:
„Das ist — bei Asbest denke ich immer so, dass ist so eine Frage der Balance zwischen Hysterie oder Panik oder Unruhe auslösen. [...] Wenn ich den Menschen sage: Lasst den Fußboden in Ruhe, bohr keine Löcher in die Wand [...] dann kannst du da gut drin wohnen. Dann finde ich das ausreichend ehrlich gestanden."
Das Problem: Während Lichtenthäler „keine Hysterie" postulierte, erteilte die degewo Mietern schriftliche Renovierungsgenehmigungen für asbestbelastete Wohnungen — ohne über die Asbestbelastung zu informieren. Bodenrenovierungen wie eine Neuverklebung machen es zwangsläufig erforderlich, alten Belag und Kleber zu entfernen — genau die Arbeiten, vor denen die degewo hätte warnen müssen. Und die Frage, ob Mieter über die Asbestbelastung ihrer Wohnung informiert werden, beantwortete er — vor laufender Kamera — mit einer Abwägung zwischen „Panik" und „sinnvollen Informationen". Nicht mit einem Verweis auf gesetzliche Pflichten.
Lichtenthäler war von April 2019 bis 2022 Pressesprecher der degewo. Seit 2022 ist er Geschäftsführer seiner eigenen Agentur lichtenthäler PR in Berlin.
Quelle — ARD Kontraste, 16.01.2020; degewo Pressemitteilung 01.04.2019; kress.de
Juristische Strategie
Kanzlei Eisenberg König Schork Kempgens
Warum beauftragt ein landeseigenes Wohnungsunternehmen eine in Strafrecht und Krisenkommunikation profilierte Kanzlei für einen Mietrechtsstreit?
Der zentrale Widerspruch
Die Kanzlei Eisenberg König Schork Kempgens (EKSK) hat keine Mietrechtsabteilung. Ihr Kerngeschäft ist die Verteidigung in schweren Strafsachen und Krisenkommunikation. Die Beauftragung für einen PKH-Mietrechtsstreit eines einzelnen Mieters legt nahe, dass die degewo den Fall von Anfang an nicht als Mietrechtsstreit betrachtete, sondern als strafrechtliche Bedrohung und Krisenfall mit potenziellem Reputationsschaden.
Einer der profiliertesten Strafverteidiger Deutschlands. Die Kanzlei wird eingeschaltet, wenn Institutionen in existenziellen Krisen stecken. Bekannte Mandate: Ibiza-Video-Affäre, BND-Affären, Chaos Computer Club, ver.di.
Im degewo-Fall stellt sich die Frage: Warum beauftragt ein landeseigenes Wohnungsunternehmen eine in Verfahren mit großer Öffentlichkeit erfahrene Strafverteidigungskanzlei für einen einzelnen Mietrechtsstreit — statt einer Mietrechtskanzlei?
Fachanwältin für Strafrecht — Kanzleipartnerin seit 2009
Schork bearbeitete den Fall gegen den Mieter direkt und reichte am 27. Juni 2019 eine 10-seitige Klageerwiderung mit 5 Anlagen ein (Az. 14 C 250/19). Spezialisiert auf Krisenberatung und Strafrecht — nicht auf Mietrecht.
Ihre Strategie: Opferumkehr. Schork warf dem Mieter vor, „die Karte der Asbestbelastung" zu ziehen, drohte mit Strafanzeige wegen §303 StGB (Sachbeschädigung) für die von degewo genehmigte Renovierung, und mit §201 StGB für das Mitschneiden von Gesprächen. Gleichzeitig erhob sie eine Gegenklage über 3.839,53 €.
Das Entscheidende: Schork legte dem Gericht selbst die Anlagen B1 und B3 vor — Dokumente, die ihre eigene Darstellung widerlegten. Anlage B3 bewies die gebäudespezifische Asbestkenntnis der degewo, die Schork gleichzeitig bestritt.
Die Kanzlei EKSK gehört zu den etablierten Strafverteidigungskanzleien Deutschlands. Die Beauftragung für einen einzelnen Mietrechtsstreit, bei dem es um Prozesskostenhilfe geht, zeigt die Ressourcenasymmetrie: Auf der einen Seite ein Mieter, dem PKH verweigert wird. Auf der anderen Seite ein landeseigenes Unternehmen mit Milliarden-Portfolio, das eine renommierte Krisenkanzlei engagiert.
Justiz — Zivilgerichte
PKH-Ablehnung: Wie dem Mieter der Rechtsweg versperrt wurde
Zwei Richter lehnten die Prozesskostenhilfe ab — und übernahmen dabei die Behauptungen der degewo-Kanzlei, ohne die vom Mieter vorgelegten Beweise zu würdigen.
PKH-Ablehnung
Richter Heinau
AG Wedding — Az. 14 C 250/19
Richter Heinau lehnte am 20. Dezember 2019 den PKH-Antrag des Mieters ab. Seine Begründung stützte sich auf drei Behauptungen der degewo-Anwältin: unbeschädigte Platten, negative Raumluftmessung und Verstoß gegen die Renovierungsvereinbarung.
Was der Beschluss nicht berücksichtigte: die vier vom Mieter benannten Zeugen für beschädigte Platten, das unabhängige Schadstoffgutachten (Anlage A7) und die existierende LG-Rechtsprechung (Az. 18 S 140/16, Az. 66 S 212/18), die eine Informationspflicht bejaht hatte.
Quelle — AG Wedding, Beschluss v. 20.12.2019, Az. 14 C 250/19
Bestätigung
Richterin Bock
LG Berlin — Az. 63 T 13/20
Richterin Bock bestätigte am 30. Januar 2020 die PKH-Ablehnung. Der Kern ihrer Begründung: Es bestehe nur eine „abstrakte" Gefahr, keine „konkrete" Gesundheitsgefährdung im Sinne von BGH VIII ZR 271/17.
Der Zirkelschluss: Ohne PKH kann der Mieter kein Gutachten finanzieren, das die „konkrete" Gefahr beweist. Ohne Beweis der konkreten Gefahr gibt es keine PKH. Damit wurde der Rechtsweg für einen Mieter gegen ein landeseigenes Milliarden-Unternehmen faktisch verschlossen.
Quelle — LG Berlin, Beschluss v. 30.01.2020, Az. 63 T 13/20
Justiz — Strafverfahren
Polizei ermittelt — Staatsanwaltschaft stellt ein
Die Polizei dokumentierte den „schlimmstmöglichen Fall". Die Staatsanwaltschaft stellte mit einem Absatz ein.
Ermittlung
KHK'in Tomalla
LKA 336 — Fachdienststelle Umweltstraftaten
Nahm den Fall ernst. Drei Monate lang ermittelte sie systematisch: über zweistündige Zeugenvernehmung, Beweissicherung, 27-seitiger Handelsregisterauszug (Bl. 116–142), Melderegisterabfragen zu mehreren degewo-Mitarbeitern, beantragte Fristverlängerung „um gründlich arbeiten zu können“. Ihr 3-seitiger Abschlussvermerk dokumentierte den „schlimmstmöglichen Fall“. Die Ermittlungshandlungen zielten erkennbar auf die Organisationsverantwortung der degewo — nicht auf einen einzelnen Mitarbeiter. Den Vorgang verwies sie der Staatsanwaltschaft zur Entscheidung. Sechs Wochen später wurde er dort eingestellt — ohne dass der Polizeivermerk im Bescheid erwähnt wurde.
Quelle — LKA 336, Vermerk v. 08.10.2021, Bl. 104–106 d.A.
degewo — Einziger Beschuldigter
Eine einzelne degewo-Mitarbeitende Person
Beschuldigte/r im Strafverfahren — Az. 281 UJs 699/21
Im gesamten Strafverfahren wurde nur eine Einzelperson aus dem Kreis der degewo-Mitarbeitenden namentlich als beschuldigt geführt. Die Strafanzeige von RA Dr. Schüttpelz richtete sich ausdrücklich gegen „unbekannte verantwortliche Geschäftsträger" der degewo — also gegen die Organisation. Die Staatsanwaltschaft verengte die Ermittlung auf eine Einzelperson. Es gilt die Unschuldsvermutung; das Verfahren wurde nach § 170 Abs. 2 StPO eingestellt.
Weder die degewo-Geschäftsführung (Christoph Beck, seit 2005 im Handelsregister als Geschäftsführer, ab 2014 im Vorstand), noch die Leitung des Kundenzentrums Nord, noch die Personen, die die Renovierungsgenehmigung für eine bekannte Asbestwohnung erteilten, wurden jemals als Beschuldigte geführt.
Warum ist das relevant?
Die Individualisierung der Verantwortung auf einen einzelnen Mitarbeiter ist ein bekanntes Muster: Statt die Organisationsverantwortung eines landeseigenen Unternehmens zu untersuchen, wird ein einzelner Mitarbeiter als Beschuldigter geführt — und das Verfahren dann mangels „öffentlichem Interesse" eingestellt.
Quelle — Ermittlungsakte StA Berlin, Az. 281 UJs 699/21
Einstellung
Staatsanwältin Falkenstein
StA Berlin, GSt 281 — Az. 281 UJs 699/21
Stellte das Verfahren am 18. November 2021 ein — 41 Tage nach dem Polizeivermerk. Kein Beschuldigter wurde vernommen. Der Polizeivermerk wird im Einstellungsbescheid nicht erwähnt.
Quelle — StA Berlin, Einstellungsbescheid v. 18.11.2021, Az. 281 UJs 699/21
Bestätigung
Oberstaatsanwalt Heisig
Generalstaatsanwaltschaft Berlin — Az. 121 Zs 393/22
Wies die Beschwerde gegen die Einstellung zurück (23. Mai 2022) und ebenso die anschließende Gegenvorstellung (16. Juni 2022). Ob die gesundheitlichen Beeinträchtigungen „als kausale Verletzungsfolgen der vermeintlichen Tathandlung überhaupt zuzurechnen sind", ließ er ausdrücklich offen („Es kann dahinstehen") — tragend waren der als verspätet gewertete Strafantrag und das verneinte öffentliche Interesse. Bei einer Substanz mit 20–40 Jahren Latenzzeit blieb die Kausalitätsfrage damit ungeprüft.
Quelle — GenStA Berlin, Bescheide v. 23.05.2022 u. 16.06.2022, Az. 121 Zs 393/22
Keine Antwort
Dr. Rainer Frank
Externer Vertrauensanwalt seit 1. April 2021
Externer Ombudsmann der degewo und Teil des Compliance-Programms. Ein ehemaliger Mieter wandte sich 2023 — Jahre nach seinem Auszug — schriftlich an ihn, um auf seinen Fall und den Umgang der degewo mit ihm aufmerksam zu machen. Dr. Rainer Frank antwortete nicht auf den Brief.
Die Frage: Dient das Compliance-Programm den Mietern — oder der Unternehmensreputation?
Quelle — Eigene Korrespondenz, September 2023
Drei Monate Polizeiarbeit. Ein Absatz Einstellung. Warum — und welche 7 Widersprüche die Akte enthält: Das vollständige Strafverfahren →
Vergütung
Die Gehaltsliste
Jede Rolle in dieser Kette wurde vergütet — aus Mieteinnahmen, aus Landesmitteln oder nach gesetzlicher Besoldung. Die Zahlen sind öffentlich.
Rolle
Grundlage
Größenordnung pro Jahr
degewo-Vorstand (zwei Mitglieder)
Anstellungsvertrag; Offenlegung nach dem Zweiten Vergütungs- und Transparenzgesetz
283.683 € bzw. 316.813 € (Geschäftsjahr 2022, inkl. Tantieme von je 70.000 €)
Staatssekretär (Land Berlin)
Besoldungsgruppe B 7
rund 141.000 € (Tabelle ab 02/2025)
Richteramt am Amtsgericht oder Landgericht
Besoldungsgruppe R 1 (Vorsitz am LG: R 2)
rund 57.000 bis 87.000 € (R 1, je nach Erfahrungsstufe; R 2: bis rund 94.000 €)
Amt der Staatsanwältin / des Oberstaatsanwalts
Besoldungsgruppe R 1 / R 2
rund 57.000 bis 87.000 € / bis rund 94.000 €
Kanzlei EKSK
Honorarvereinbarung
nicht öffentlich — bezahlt von einem landeseigenen Unternehmen
degewo-Aufsichtsrat (Kontrollgremium)
feste Vergütung pro Mitglied
575 bis 8.200 € (Geschäftsjahr 2022)
Bezahlt wurde in jedem Fall — unabhängig davon, ob gewissenhaft gearbeitet oder ob Fehlentscheidungen getroffen wurden. Eine Kürzung, Rückforderung oder sonstige finanzielle Konsequenz im Zusammenhang mit dem Asbest-Komplex ist in keinem der dokumentierten Vorgänge bekannt.
Die einzige öffentlich dokumentierte finanzielle Konsequenz im Umfeld dieser Liste hatte einen anderen Anlass — den umstrittenen Seitenwechsel 2003: Der Regierende Bürgermeister strich Frank Bielka die Pensionsansprüche als ehemaliger Staatssekretär. Die degewo kompensierte den Verlust. Die einzige dokumentierte Sanktion blieb damit ohne spürbare Wirkung — ausgeglichen aus den Mitteln eines landeseigenen Unternehmens. Für Pensionsverpflichtungen gegenüber derzeitigen und früheren Vorstandsmitgliedern wies die degewo im Geschäftsjahr 2022 Rückstellungen von 5,2 Millionen Euro aus.
Zum Vergleich: Die am besten vergütete Rolle dieser Seite ist der Vorstand — das Amt, das Frank Bielka von 2003 bis 2014 innehatte, nachdem er als Aufsichtsratsvorsitzender an der Erhöhung der Vorstandsbezüge mitgewirkt hatte. Die am niedrigsten vergütete Rolle ist das Kontrollgremium, das den Vorstand beaufsichtigen soll.
Zur Methode
Diese Tabelle enthält ausschließlich öffentlich offengelegte Vergütungen (Vergütungs- und Transparenzgesetz Berlin) und gesetzlich festgelegte Besoldung (Besoldungstabellen des Landes Berlin). Besoldungsangaben beziehen sich auf das Amt, nicht auf einzelne Amtsträger; individuelle Stufen, Zulagen und Familienzuschläge sind nicht berücksichtigt. Gehälter von Angestellten ohne Organfunktion werden nicht geschätzt. Anwaltshonorare sind nicht öffentlich.
Jedes einzelne Element für sich lässt sich erklären. Aber in der Gesamtschau ergibt sich ein Muster:
Die politische Ebene (SPD-Netzwerk, Senatsverwaltung) kontrolliert die Unternehmensführung. Die Unternehmensführung entscheidet, das Asbestproblem nicht offensiv zu adressieren. Die Unternehmenskommunikation verbreitet irreführende Darstellungen an Medien — dieselben Narrative, die parallel im Gerichtsverfahren vorgetragen werden. Wenn ein einzelner Mieter sich wehrt, wird nicht eine Mietrechtskanzlei, sondern eine Krisenkanzlei eingeschaltet, die mit Opferumkehr und Strafandrohung reagiert. Die Zivilgerichte verweigern dem Mieter die Prozesskostenhilfe — und verschließen damit den einzigen Rechtsweg gegen ein Milliarden-Unternehmen. Die Polizei ermittelt gründlich und dokumentiert den „schlimmstmöglichen Fall". Doch die Staatsanwaltschaft stellt ein Offizialdelikt ein — 41 Tage später, mit einem Absatz, ohne den Polizeivermerk zu erwähnen.
Und der externe Ombudsmann, der als Anlaufstelle für Missstände dienen soll, antwortet nicht einmal auf den Brief eines ehemaligen Mieters.
Die 2023 veröffentlichte „Menschenrechtserklärung" der degewo — mit dem Bekenntnis zum Recht auf Gesundheit und angemessenes Wohnen — steht in deutlichem Widerspruch zu dieser dokumentierten Realität.
Wie sich diese Informationspolitik seit 1993 entwickelte, dokumentiert die Chronologie des Berliner Asbest-Skandals. Die Startseite zeigt, wie diese Strukturen den Umgang mit Asbest in Berlin bis heute prägen.
Alle Akteure und ihre Entscheidungen.
Ein Asbestfall. Eine Kette von Entscheidungen. Keine Konsequenz. Eine interaktive Netzwerk-Visualisierung.