Ist etwas beschädigt, zeigen Sie es unverzüglich schriftlich an. Zeigen Sie den Mangel dem Vermieter unverzüglich an (§ 536c Abs. 1 Satz 1 BGB) — schriftlich, damit Sie es belegen können (Muster unten). Das gilt auch, wenn Sie annehmen, Ihr Vermieter wisse längst Bescheid. Im Streit müssten Sie diese Kenntnis beweisen — ein Einschreiben ist billiger als dieser Beweis. Wer die Anzeige unterlässt, haftet dem Vermieter für den daraus entstehenden Schaden (Abs. 2 Satz 1). Teurer ist die zweite Folge. Sie verlieren die Minderung und den Schadensersatz nach § 536a Abs. 1 (Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 und 2). Fristlos kündigen können Sie dann erst nach einer angemessenen Frist zur Abhilfe, die erfolglos abgelaufen ist (Nr. 3). Diese drei Verluste treten nur ein, soweit der Vermieter wegen der fehlenden Anzeige keine Abhilfe schaffen konnte.
Und wenn nichts beschädigt ist? Nicht alle Gerichte stellen dabei so klar auf den Zustand ab wie das Landgericht Berlin. Das Amtsgericht Eutin formulierte allgemein: Bei Asbest gebe es keine Wirkungsschwelle, deshalb sei „regelmäßig von einem Mangel auszugehen" (27 C 593/15, Rn. 83). Entschieden hat es allerdings einen Fall freigesetzter Fasern. Das Landgericht Berlin stellt auf den Zustand ab. Unbeschädigte Platten sind kein Mangel, solange ein Faseraustritt weder vorliegt noch zu befürchten ist (66 S 212/18). Beschädigte Platten sind grundsätzlich ein Mangel; auf eine tatsächliche Asbestbelastung der Raumluft kommt es dafür nicht an (66 S 212/18). Folgt man der Berliner Linie, gibt es bei unbeschädigtem Material keinen Mangel anzuzeigen, solange kein Faseraustritt zu befürchten ist. Ob angekündigte Arbeiten das ändern, ist offen; klären Sie im Zweifel in der Beratung, ob Sie vorsorglich anzeigen. Stehen Arbeiten am Boden an, nehmen Sie die Anfrage aus Schritt 3. Auf den Rechtsschutz warten Sie dafür nicht (Schritt 2).
Wie viel gemindert wurde. Die Quoten: 10 % für eine einzelne gebrochene Bodenplatte (Urteil vom 16.01.2013, 65 S 419/10), 20 % bei beschädigten Platten (18 S 133/15; 66 S 212/18), volle Befreiung bei Unbewohnbarkeit (AG Eutin). Die Minderung setzt kein Verschulden des Vermieters voraus (§ 536 Abs. 1 BGB). Die Anzeigepflicht aus § 536c Abs. 1 BGB bleibt davon unberührt.
Zwei Fälle, die oft falsch verstanden werden. Im Fall 66 S 212/18 hielt das Gericht die Anzeige für entbehrlich, weil die Vermieterin die Gefahr aus den konkreten beschädigten Platten kannte. Das war eine Feststellung für diesen Fall und für diesen Zeitraum; eine bloße Annahme ersetzt diesen Nachweis nicht. Im Fall 18 S 133/15 durften die Mieter mindern. Die Kammer verneinte ausdrücklich, dass das Minderungsrecht nach §§ 536b, 536c Abs. 2 BGB ausgeschlossen war. Die Mieter hatten nach dem Vortrag der Vermieterin „Kontakt" zu ihr aufgenommen, worauf sie den Bodenbelag beproben ließ. Die Kenntnis der defekten Fliesen war daher noch keine Kenntnis des Mangels; die trat erst mit der Kenntnis von der Asbestbelastung ein. Ein Freibrief, die Anzeige wegzulassen, ist keines der beiden Urteile. Kannten Sie den Mangel schon bei Vertragsschluss, regelt § 536b BGB, ob Sie mindern dürfen — eine Frage für die Beratung. Eine Analyse aller Urteile: Rechtsprechung.
Wichtig für die Höhe der Forderung: Eine Minderung wirkt nicht nur ab heute. Bestand der Mangel schon länger, können Sie zu viel gezahlte Miete grundsätzlich auch rückwirkend zurückfordern (§ 812 BGB). Die Grenze setzt die Verjährung. Die dreijährige Frist (§ 195 BGB) beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und Sie vom Mangel erfahren haben oder ohne grobe Fahrlässigkeit hätten erfahren müssen (§ 199 Abs. 1 BGB). Unabhängig von Ihrer Kenntnis endet die Verjährung für diese Rückforderung spätestens nach zehn Jahren (§ 199 Abs. 4 BGB). Über mehrere Jahre kann so eine erhebliche Summe zusammenkommen; die genaue Reichweite sollten Sie anwaltlich prüfen lassen.
Musterschreiben — Mängelanzeige
Die Mängelanzeige passt, wenn das Material beschädigt ist. Ist nichts beschädigt und kein Faseraustritt zu befürchten, gibt es nach der Berliner Linie keinen Mangel anzuzeigen; dann bleibt es bei der Anfrage aus Schritt 3. Stehen Arbeiten am Boden an, ist offen, ob ein Austritt schon zu befürchten ist; klären Sie im Zweifel in der Beratung, ob Sie vorsorglich anzeigen. Den Zustand beschreiben Sie konkret — die Formulierung stimmen Sie mit dem Mieterverein oder einer Anwältin ab.
An: [Vermieter/Hausverwaltung]
Betreff: Mängelanzeige — Asbest in meiner Wohnung, [Adresse, Wohnungsnummer]
Sehr geehrte Damen und Herren,
in meiner Wohnung wurde am [Datum] durch [Gutachten / Materialprobe / Ihre Auskunft vom [Datum]] festgestellt, dass [konkretes Bauteil, z. B. der Bodenbelag und der darunterliegende Kleber] asbesthaltig ist.
Das Material ist beschädigt: [Zustand konkret beschreiben — gebrochen, gerissen, offene Fugen, abgelöster Kleber].
Ich zeige Ihnen diesen Mangel hiermit an und fordere Sie auf, ihn zu beseitigen (§ 535 Abs. 1 S. 2 BGB). Ich bitte darum, die Arbeiten fachgerecht durch eine zertifizierte Fachfirma ausführen zu lassen. Bitte teilen Sie mir bis zum [Datum] mit, wie und bis wann Sie den Mangel beheben.
Mit freundlichen Grüßen
[Name]
Musterschreiben — Mietminderung wegen Asbest
Zwei Wege, und sie sind nicht gleich riskant. Sie können die geminderte Miete zahlen — oder die volle Miete unter Vorbehalt und die Rückforderung später geltend machen. Der zweite Weg ist der sichere — gegen eine Kündigung: Es entsteht kein Rückstand und damit kein Kündigungsgrund aus der Minderung. Dass das Geld zurückkommt, ist damit nicht gesagt. Wozu der Vorbehalt dient: Wer zahlt, obwohl er weiß, dass er nicht zahlen muss, bekommt das Geld nicht zurück (§ 814 BGB). Dass eine ausdrücklich unter Vorbehalt geleistete Zahlung nicht darunterfällt, steht nicht im Gesetzeswortlaut, sondern ist die praktische Folgerung daraus. Der Vorbehalt hält die Rückforderung offen, entscheidet sie aber nicht. Zurückgefordert wird nach § 812 BGB, und dieser Anspruch verjährt: Im Verfahren 66 S 212/18 wurde die Rückzahlung für 2009 bis 2013 gerade deshalb abgewiesen. Lassen Sie die Rückforderung also nicht liegen — besprechen Sie in der Beratung, bis wann sie geltend gemacht sein muss. Was passiert, wenn Sie stattdessen einbehalten, steht im Kasten darunter.
Die beiden Zahlungsvarianten — eine davon gehört in das Schreiben, die Anweisung selbst nicht:
A, der sichere Weg: „Die volle Miete werde ich ab dem [Monat] weiterhin überweisen, ausdrücklich unter Vorbehalt der Rückforderung des geminderten Anteils. Damit entsteht kein Rückstand.“
B, mit Kündigungsrisiko: „Die geminderte Miete in Höhe von [Betrag] € werde ich ab dem [Monat] unter Vorbehalt weiterer Ansprüche überweisen.“
Die 30 Tage im Schreiben sind eine Empfehlung, keine gesetzliche Frist — wie die 14 Tage in Schritt 3. Verstreichen sie, geschieht nichts von selbst. Sie belegen aber, dass Sie zur Beseitigung aufgefordert haben, und wann.
Kam auf Ihre Mängelanzeige gar keine Antwort, ergänzen Sie einen Satz. Er gehört hinter „Um Mitteilung hatte ich bis zum [Datum] gebeten.“ und lautet: „Eine Antwort ist bis heute nicht erfolgt.“
An: [Vermieter/Hausverwaltung]
Betreff: Mietminderung wegen Asbestbelastung — [Adresse, Wohnungsnummer]
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Schreiben vom [Datum der Mängelanzeige] habe ich Ihnen den Asbestmangel in meiner Wohnung angezeigt und Sie zur Beseitigung aufgefordert. Um Mitteilung hatte ich bis zum [Datum] gebeten. Der Mangel ist bis heute nicht beseitigt. Das Material ist [Zustand konkret beschreiben: gebrochen, gerissen, offene Fugen, abgelöster Kleber].
Beschädigte asbesthaltige Bodenplatten hat das Landgericht Berlin in zwei Verfahren als Mangel der Mietsache angesehen (§ 536 BGB); es hat dafür eine Minderung von 20 % angenommen (Urteil vom 11.02.2016, Az. 18 S 133/15; Az. 66 S 212/18).
Ich mindere hiermit die Miete ab dem [Datum] um [Prozentsatz — Höhe vorher mit Mieterverein oder Anwalt abstimmen] %. Die Höhe richtet sich nach der konkreten Beeinträchtigung im Einzelfall.
[Hier die gewählte Zahlungsvariante einsetzen — siehe über dem Schreiben]
Ich fordere Sie erneut auf, den Mangel zu beseitigen (§ 535 Abs. 1 S. 2 BGB), und zwar innerhalb von 30 Tagen. Andernfalls behalte ich mir vor, Schadensersatzansprüche nach § 536a BGB geltend zu machen.
Mit freundlichen Grüßen
[Name]
Anlagen:
– Kopie meiner Anfrage vom [Datum] und der Mängelanzeige vom [Datum]
– [ggf. Laborbericht / Gutachten]
– Fotos des Wohnungszustands
Wenn Sie Miete einbehalten: das Kündigungsrisiko
Zuerst, wofür dieser Abschnitt nicht gilt. Wer die Minderung erklärt und die Miete unter Vorbehalt voll weiterzahlt, gerät in keine der folgenden Lagen. Es geht hier ausschließlich um das Einbehalten von Geld.
Warum das ernst ist. Behalten Sie Miete ein und war die Kürzung nicht berechtigt, kann der Vermieter fristlos kündigen. Zwei Wege stehen im Gesetz für die fristlose Kündigung: Verzug an zwei aufeinander folgenden Fälligkeitsterminen — oder ein Rückstand über mehr als zwei Termine, der zwei Monatsmieten erreicht (§ 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BGB). Für den ersten Weg gilt bei Wohnraum eine Schwelle: Der Rückstand muss eine Monatsmiete übersteigen (§ 569 Abs. 3 Nr. 1 BGB). Für den zweiten Weg gilt diese Ein-Monats-Schwelle nicht — dort nennt das Gesetz selbst eine Grenze: zwei Monatsmieten. Und das ist der Fall, der bei einer laufenden Kürzung entsteht. Beispiel: Bei 800 € Miete und 20 % Kürzung fehlen jeden Monat 160 €. Zwei aufeinander folgende Termine ergeben zusammen 320 €, weniger als eine Monatsmiete. Die Grenze des zweiten Wegs, zwei Monatsmieten oder 1.600 €, ist nach zehn Monaten erreicht. Diese Grenzen gelten nur für die fristlose Kündigung. Für die ordentliche nennt § 573 BGB keine Betragsgrenze; als Grund nennt er insbesondere eine schuldhafte, nicht unerhebliche Verletzung vertraglicher Pflichten (Abs. 2 Nr. 1). Ab welchem Rückstand eine solche Pflichtverletzung vorliegt, sagt der Wortlaut nicht.
Was die Kündigung abwendet. Am einfachsten: nachzahlen, bevor gekündigt wird. Das Gesetz sagt dazu: „Die Kündigung ist ausgeschlossen, wenn der Vermieter vorher befriedigt wird“ (§ 543 Abs. 2 Satz 2 BGB). Danach bleibt nur die Nachzahlung im Räumungsverfahren. Die fristlose Kündigung wird unwirksam, wenn Sie binnen zwei Monaten die fällige Miete und die fällige Entschädigung begleichen oder wenn sich in dieser Zeit eine öffentliche Stelle zur Zahlung verpflichtet. Die Entschädigung schulden Sie für die Zeit nach dem Ende des Mietverhältnisses, solange Sie die Wohnung nicht zurückgegeben haben (§ 546a Abs. 1 BGB). Die zwei Monate beginnen, wenn Ihnen die Räumungsklage zugestellt wird: Damit wird der Räumungsanspruch „rechtshängig“ (§ 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB; § 253 Abs. 1, § 261 Abs. 1 ZPO). Das greift nicht noch einmal, wenn in den zwei Jahren davor schon eine Kündigung auf diesem Weg unwirksam wurde.
Die Rettung durch Nachzahlen regelt das Gesetz nur für die fristlose Kündigung. Neben der fristlosen kann der Vermieter hilfsweise ordentlich kündigen — also für den Fall, dass die fristlose scheitert. Für diese ordentliche Kündigung fehlt eine entsprechende Vorschrift. Was daraus folgt, hat diese Recherche nicht ausgewertet — fragen Sie in der Beratung ausdrücklich danach. Die ordentliche Kündigung verlangt ein berechtigtes Interesse an der Beendigung des Mietverhältnisses (§ 573 Abs. 1 BGB). Dazu zählt das Gesetz insbesondere eine schuldhafte, nicht unerhebliche Verletzung vertraglicher Pflichten (§ 573 Abs. 2 Nr. 1 BGB). Und sie wirkt nicht sofort, sondern mit der Kündigungsfrist des § 573c Abs. 1 BGB. Nach fünf und acht Jahren seit der Überlassung der Wohnung verlängert sich diese Frist für den Vermieter um je drei Monate (Satz 2).
Wer wirklich einbehalten will, lässt Grund und Höhe vorher prüfen — beim Berliner Mieterverein oder bei einer Fachanwältin für Mietrecht. Wie das ohne eigene Mittel geht, steht unter Rechtsberatung suchen.
Quellen — §§ 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 und Satz 2, 546a Abs. 1, 569 Abs. 3 Nr. 1 und Nr. 2, 573 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1, 573c BGB (amtlicher Wortlaut). Dass § 569 Abs. 3 Nr. 2 nur die fristlose Kündigung erfasst, ist ein Umkehrschluss aus dem Gesetzeswortlaut, keine Auswertung der Rechtsprechung.