Einfache Sprache

Der Berliner Asbest-Skandal — einfach erklärt

Diese Seite erklärt das Thema in einfacher Sprache. Mit kurzen Sätzen. Für alle, die schnell verstehen wollen, worum es geht. Unten auf der Seite gibt es ein Wörterbuch für schwere Wörter.

Was ist passiert?

Das ist eine wahre Geschichte. Jeder Satz steht in Akten und in Gerichtspapieren.

Stellen Sie sich vor: Sie bekommen eine neue Wohnung. Sie freuen sich. Sie glauben: Diese Wohnung ist sicher.

Genau so ging es einem Mieter in Berlin. Aber seine Wohnung war nicht sicher. Sie war giftig. Und einer wusste das. Von Anfang an.

Die degewo wusste es.

Die degewo ist eine große Wohnungsfirma. Sie gehört dem Land Berlin.

Die degewo baut das Haus 1978 selbst. Sie legt Asbest in die Böden. Asbest kann Krebs machen.

Seit dem Jahr 2000 steht in den Akten, welche Wohnungen betroffen sind. Die degewo wusste also ganz genau, wo das Gift liegt.

Der Mieter wusste nichts.

Der Mieter zieht 2012 ein. Niemand warnt ihn. Kein Wort von Asbest.

Der Mieter will nur ein schönes Zuhause. Er will einen neuen Boden verkleben und das Bad neu machen.

Er macht alles richtig: Er fragt die degewo. Er sagt genau, was er vor hat.

Und die degewo? Sie sagt Ja. Mündlich. Und schriftlich. Sie schreibt ihm sogar auf: Den Bauschutt soll er selbst wegbringen.

Halten wir kurz an. Die degewo weiß: In diesem Boden liegt Asbest. Trotzdem erlaubt sie dem Mieter die Wohnung zu renovieren.

So eine Erlaubnis darf es nie geben.

Der Mieter schleift den alten Boden ab. Er ahnt nichts. Dabei atmet er Millionen Asbestfasern ein.

Die Einzige, die ihn hätte schützen können, war die degewo. Sie schwieg.

Sechs Jahre später.

Der Mieter will ausziehen. Jetzt schreibt die degewo: In der Wohnung seien „Schadstoffe".

Das Wort Asbest? Wieder nicht. Nicht am Telefon. Nicht im Brief. Nie.

Erst als der Mieter selbst nachforscht, versteht er: Ich habe Gift eingeatmet. Und keiner hat mich gewarnt.

Er bekommt Angst. Ein Jahr lang kann er nicht arbeiten.

Und jetzt kommt das Schlimmste.

Der Mieter bittet die degewo um Hilfe. Doch die degewo hilft nicht. Sie holt eine teure Anwaltskanzlei — bezahlt mit dem Geld von uns allen. Und diese Kanzlei kämpft nicht für den Mieter. Sie kämpft gegen ihn.

Die Anwälte drehen alles um: Nicht die degewo sei schuld — der Mieter sei schuld. Er habe etwas kaputt gemacht. Er habe etwas Verbotenes getan.

Aus dem Opfer machen sie den Täter.

Zuerst versucht es der Mieter vor einem Zivilgericht. Er will die Miete mindern: weniger Miete zahlen, weil in seiner Wohnung Asbest ist. Für die Klage braucht er Geld vom Staat für einen Anwalt. Der Mieter hofft auf Gerechtigkeit.

Aber die Richter glauben der degewo. Dem Mieter glauben sie nicht. Sie hören seine Zeugen nicht. Sie sehen seine Beweise nicht an.

Am Ende steht der Mieter allein da. Der Staat bezahlt die Anwälte der degewo. Dem Mieter bezahlt der Staat nichts.

Und die Polizei?

Der Mieter zeigt die degewo auch bei der Polizei an. Jetzt geht es nicht mehr um Geld. Jetzt geht es um die Frage: Hat die degewo eine Straftat begangen?

Die Polizei nimmt den Fall ernst und prüft ihn genau. Doch die Staatsanwaltschaft stoppt das Verfahren wieder. Es gibt keine Anklage und kein Urteil. Bewiesen ist eine Straftat nicht. → Das Strafverfahren

Aber es geht nicht nur um diesen einen Mieter. Sein Fall ist gut belegt — und er steht für viele. Viele Mieter erfuhren erst zu spät von dem Asbest. Oder nie.

Das sagte sogar der Gutachter, den die degewo selbst beauftragt hatte. Als er die Wohnung prüfte, erklärte er: Es passiert „ganz oft", dass Mieter ihre Böden selbst renovieren — ohne zu wissen, dass Asbest darin ist. → Der dokumentierte Fall

Auch die Zahlen zeigen es: Allein bei der degewo ist in fast 24.000 Wohnungen Asbest.

Das ist der Berliner Asbest-Skandal.

Vielleicht wohnen auch Sie in so einer Wohnung. Vielleicht hat auch Sie niemand gewarnt. Diese Seite sagt Ihnen, was Sie jetzt wissen müssen.

Was ist Asbest? Und warum ist es gefährlich?

Asbest ist ein Baustoff. Früher hat man ihn oft benutzt. Zum Beispiel im Fußboden oder in der Wand.

Asbest besteht aus ganz kleinen Fasern. Die Fasern sind viel dünner als ein Haar. Man kann sie nicht sehen.

Das ist die Gefahr: Wenn man die Fasern einatmet, bleiben sie in der Lunge. Für immer. Der Körper kann sie nicht wieder heraus holen.

Nach vielen Jahren kann man davon krank werden. Zum Beispiel kann man Krebs bekommen. Schon eine einzige Faser kann gefährlich sein.

Das Schlimme ist: Die Krankheit kommt oft erst nach 20 bis 40 Jahren. So lange merkt man nichts. In Deutschland sterben jedes Jahr etwa 1.600 Menschen an anerkannten Asbestkrankheiten.

Wie schütze ich mich?

Solange Asbest fest verbaut ist und nicht kaputt ist, ist die Gefahr klein. Gefährlich wird es, wenn man das Material bearbeitet.

Das dürfen Sie auf keinen Fall selbst tun

  • Nicht bohren
  • Nicht schleifen
  • Nicht brechen oder aufreißen
  • Nicht selbst wegnehmen

Bei diesen Arbeiten fliegen Asbestfasern in die Luft. Auch ein Staubsauger hilft nicht. Er macht es sogar schlimmer. Asbest darf nur eine zugelassene Fachfirma wegnehmen — mit Schutzanzug und mit besonderer Technik.

Sie glauben, in Ihrer Wohnung ist Asbest? Dann gilt:

  • Nichts anfassen und nichts bearbeiten.
  • Nur ein Labor kann sicher sagen, ob Asbest drin ist. Ein Test kostet etwa 30 bis 80 Euro.
  • Nehmen Sie die Probe nicht selbst. Das macht eine Fachperson.
  • Schreiben Sie einen Brief an Ihren Vermieter. Am besten per Einschreiben.

Was kann ich als Mieter tun?

Der Vermieter muss es Ihnen sagen, wenn er von Asbest in Ihrer Wohnung weiß. Das hat ein Gericht in Berlin entschieden (Landgericht Berlin, 2018).

Das können Sie tun — Schritt für Schritt:

  1. Alles aufschreiben. Machen Sie Fotos. Schreiben Sie jedes Gespräch mit Datum auf.
  2. Dem Vermieter schreiben. Am besten per Einschreiben. Geben Sie ihm eine Frist. Zum Beispiel 14 Tage.
  3. Einen Test machen lassen. Ein Labor prüft die Probe. Dafür brauchen Sie keine Erlaubnis vom Vermieter.
  4. Hilfe holen. Zum Beispiel beim Mieterverein. Oder bei einem Anwalt für Mietrecht.

Das ist noch wichtig:

  • Manchmal dürfen Sie weniger Miete zahlen. Aber nur, wenn die Wohnung einen Fehler hat. Sagen Sie das dem Vermieter vorher schriftlich. Zahlen Sie nie einfach nichts mehr.
  • Für eine Anzeige bei der Polizei haben Sie oft nur 3 Monate Zeit. Fragen Sie darum früh einen Anwalt.

Mehr dazu steht auf unserer Seite Ihre Rechte.

Diese Seite gibt nur allgemeine Informationen. Sie ist keine Rechtsberatung.

Wer trägt Verantwortung?

Viele Personen waren beteiligt. Hier die wichtigsten:

Bei der Wohnungsfirma degewo

  • degewo — die Wohnungsfirma. Sie kannte den Asbest. Sie hat es den Mietern nicht gesagt.
  • Frank Bielka — erst ein hoher Beamter im Senat, dann Chef der degewo. Er hat im Jahr 2000 die Akte mit den vielen Asbestwohnungen unterschrieben. Die Mieter wurden trotzdem nicht informiert.
  • Christoph Beck — er ist seit 2005 ein Chef der degewo. Unter ihm hat sich nichts Wichtiges geändert.
  • Kerstin Urbanowicz — sie hat bei der degewo die Renovierung der Asbestwohnung erlaubt.
  • Kai Bauschke — er war bei der degewo für die Reparaturen zuständig. Er hat nichts unternommen.
  • Ingrid Kleinecke — sie hat bei der degewo die Wohnungsübergabe gestoppt. Das Wort „Asbest" sagte sie dabei nicht.
  • Paul Lichtenthäler — er war der Sprecher der degewo. Im Fernsehen sagte er 2020: „Wenn ich den Menschen sage: Lasst den Fußboden in Ruhe, bohr keine Löcher in die Wand ... dann kannst du da gut drin wohnen."

In der Politik

  • Der Senat — das ist die Regierung von Berlin. Sie wusste seit dem Jahr 2000 von dem Problem.
  • Sebastian Scheel — er war Staatssekretär für Wohnen. Gleichzeitig kontrollierte er die degewo.
  • Andreas Otto — er ist Abgeordneter von den Grünen. Er stellt seit vielen Jahren die kritischen Fragen.

Beim Zivilgericht (der Mieter wollte die Miete mindern)

  • Richter Heinau — er hat dem Mieter das Geld für den Prozess verweigert.
  • Richterin Bock — sie hat diese Entscheidung bestätigt.

Bei Polizei und Staatsanwaltschaft (Straftat?)

  • Frau Tomalla von der Polizei — sie hat den Fall als Einzige gründlich untersucht.
  • Die Staatsanwaltschaft — sie hat das Verfahren gestoppt. Es gab keine Anklage.

Wichtig: Es gab kein Urteil gegen die degewo. Niemand wurde von einem Gericht schuldig gesprochen. Für alle genannten Personen gilt: Sie sind nicht verurteilt.

Wer welche Entscheidung genau getroffen hat, steht mit allen Beweisen auf unserer Seite Die Entscheider.

Wörterbuch

Asbest — Ein gefährlicher Baustoff. Kann Krebs machen. Seit 1993 verboten.

degewo — Eine große Wohnungsfirma in Berlin. Sie gehört dem Land Berlin.

Faser — Ein ganz feiner Faden. Asbestfasern sind so klein, dass man sie nicht sieht.

renovieren — Eine Wohnung schöner machen. Zum Beispiel den Boden neu machen.

Miete mindern — Weniger Miete zahlen, weil die Wohnung einen Fehler hat.

Vermieter — Die Person oder Firma, der die Wohnung gehört.

Gericht — Dort entscheiden Richter, wer in einem Streit recht hat.

Senat — So heißt die Regierung von Berlin.

Das ist eine einfache Zusammenfassung. Alle Beweise und Details finden Sie auf den anderen Seiten dieser Webseite — zum Beispiel in der Chronologie, bei den Fallbeispielen und unter Was ist Asbest.

Betrifft Sie das auch?

Wenn Sie in einer Wohnung der degewo oder einer anderen landeseigenen Firma wohnen, könnten auch Sie betroffen sein.