Quadratische Vinyl-Fliesen mit Asbestanteil — und der asbesthaltige Kleber darunter. In Zehntausenden Berliner Wohnungen verbaut, von den meisten Mietern nie als Gefahr erkannt. Die kurzen Antworten dazu stehen unter Fragen zu Floor-Flex und Kleber.
Was sind Floor-Flex-Platten?
Floor-Flex-Platten — auch als Asbest-Bodenplatten bekannt — sind quadratische Vinyl-Bodenfliesen, die in den 1960er bis 1980er Jahren als preiswerter Standardbodenbelag in Sozialwohnungen, Mehrfamilienhäusern und öffentlichen Gebäuden verlegt wurden. Sie messen typischerweise 25×25 cm oder 30×30 cm und sind in Grau-, Braun- oder Beigetönen gehalten. Zum Asbestanteil nennen die Quellen zwei Werte. Die österreichische Behördenstudie von 2002 gibt rund 20 Gewichtsprozent Chrysotil an. Das Bayerische Landesamt für Umwelt nennt etwa 15 Prozent. Gebunden ist der Asbest in einer PVC-Matrix — damit gelten die Platten als fest gebundenes Asbestprodukt.
Quellen — Heinz Kropiunik, „Entsorgung von asbesthaltigen Boden- und Wandbelägen", Schriftenreihe des österreichischen Umweltministeriums, Band 26/2002, Pkt. 3.3.1 und Tabelle 5; Bayerisches Landesamt für Umwelt, UmweltWissen „Asbest" (Stand April 2018), Abschnitt 3
In vielen Wohnungen wurden Floor-Flex-Platten später mit Laminat, Teppich oder PVC überdeckt. Der Asbest ist dann unsichtbar — aber nicht verschwunden. Erst bei Renovierung, Rückbau oder wenn die Deckschicht sich löst, kommt das Problem zum Vorschein.
Die doppelte Gefahr: der schwarze Kleber
Was viele nicht wissen: Unter den Floor-Flex-Platten sitzt ein schwarzer Bitumenkleber, der häufig ebenfalls asbesthaltig ist. Bei Renovierungsarbeiten ist dieser Kleber das größere Problem — denn um einen neuen Bodenbelag zu verlegen, muss der alte Kleber oft vom Estrich entfernt werden. Beim Abfräsen, Abschleifen oder Abkratzen werden massiv Asbestfasern freigesetzt.
Im zentralen Fall dieser Dokumentation passierte genau das: Die degewo genehmigte 2012 die Renovierung einer Asbestwohnung, deren Belastung seit dem Jahr 2000 aktenkundig ist. Der Mieter ließ den schwarzen Kleber mit einer Fräsmaschine entfernen. Ein Sachverständiger bestätigte später: Der Kleber sei „zu 99 Prozent asbesthaltig".
Warum Floor-Flex-Platten so schwer zu erkennen sind
Floor-Flex-Platten sehen aus wie gewöhnliche Vinyl-Fliesen. Ohne Laboranalyse ist eine Asbestbelastung nicht erkennbar — weder an der Farbe, noch an der Oberfläche, noch am Geruch. Selbst Fachleute aus der Bodenbelagsbranche können asbesthaltige Floor-Flex-Platten nicht zuverlässig von asbestfreien Produkten unterscheiden.
Wichtig: intakten Asbest nicht selbst bearbeiten
Der Zustand eines festgebundenen Asbestprodukts ist eine Momentaufnahme: Nach der TRGS 519 können Beschädigung, Abnutzung und Verwitterung die Faserbindung verändern. Abnutzung entsteht im Gebrauch, ohne dass jemand renoviert. „Intakt" ist deshalb ein Befund von heute, kein Dauerzustand. Neben dem Gebrauch steht die Bearbeitung: Gefährlich wird es beim Anbohren, Abschleifen, Abfräsen oder Entfernen. Wenn Sie Asbest vermuten: bearbeiten Sie Belag oder Kleber nicht selbst — keine Bohrungen, kein Abschleifen, kein Herausreißen. Solche Arbeiten dürfen nur zertifizierte Fachfirmen unter Schutzmaßnahmen ausführen (Quellen: TRGS 519 Nr. 4.1 Abs. 1 Nr. 2 zur Faserbindung; Umweltbundesamt zu den Schutzmaßnahmen).