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Asbest in Zahlen
25 Jahre, kein verlässlicher Stand. Wie viele Wohnungen der landeseigenen Gesellschaften als asbestbelastet oder asbestverdächtig gelten, schwankt in den Senatsangaben enorm — durch wechselnde Zähldefinitionen, reale Zukäufe und schleppende Sanierung. Was über all die Jahre fehlte: eine gleichbleibende, transparente Zählung — und die Information der Mieter. Jede Zahl hier ist mit einer Drucksache belegt.
Interaktiv
Warum die Zahl springt
Die degewo meldete dem Senat zwischen 2000 und 2025 Zahlen, die scheinbar wild schwanken — von 14.400 hinauf auf 22.100, dann vierstellig hinunter auf 6.736, dann hinauf auf den Höchststand 23.883. Drei Dinge bewegen die Kurve gleichzeitig: die Zähldefinition (mal nur „bestätigt“, mal „unter Verdacht“, ab 2025 zählt der Verdacht per §5a GefStoffV als belastet), reale Zukäufe (die degewo kaufte seit 2012 über 2.000 asbestverdächtige Wohnungen hinzu — auch in den Medien diskutiert) und schleppende Sanierung. Genau deshalb lässt sich keine einzelne Zahl für bare Münze nehmen — und genau das ist das Problem.
Einzeln belegte Werte, keine durchgehende Reihe — der Senat meldete nur in diesen Jahren, und die meisten sind Verdachtsfälle, nicht bestätigte Belastung. Die gestrichelte Linie zeigt die oft zitierte, längst veraltete Zahl „rund 17.000“ (2018).
Einordnung
Warum die Zahl nichts beruhigt
Die niedrigen Jahre sind kein Erfolg. 2019 nennt die degewo 5.286 bestätigte Fälle — aber gleichzeitig 15.978 Wohnungen unter Verdacht, die schlicht nicht geprüft wurden. 2024 stehen nur 6.736 im Raum — nach damaliger, engerer Zählung. 2025 springt die Zahl auf 23.883 (davon 16.967 reiner Verdacht), weil §5a GefStoffV den Verdacht endlich mitzählt und GESOBAU erstmals schätzt statt zu schweigen. Hinzu kommt ein realer Effekt: Allein zwischen 2012 und 2016 kaufte die degewo über 2.000 Wohnungen mit Asbestverdacht hinzu (SA 17/18643, Stand 2016) — auch Zukäufe treiben die Zahl, nicht nur die Zählweise.
Mit anderen Worten: Die Wohnungen waren die ganze Zeit da. Was fehlte, war eine ehrliche, gleichbleibende Zählung — und eine systematische Information der Mieter. Berlinweit summieren sich die sieben landeseigenen Gesellschaften 2025 auf 58.847 Wohnungen — ganz überwiegend Verdachtsfälle, nicht bestätigte Belastung; GESOBAUs 15.089 etwa sind eine reine Schätzung nach Baualter. Private Bestände sind dabei nicht erfasst; Schätzungen reichen bis zu 500.000 asbestverdächtigen Wohnungen in ganz Berlin.
Zwei Bestände tauchen in keiner aktuellen Bilanz mehr auf, weil sie verkauft wurden: rund 10.000 Wohnungen bei der GSW-Privatisierung 2004 und 1.677 in der Weißen Siedlung 2006 — Asbest stand im Kaufvertrag, die Mieter erfuhren es nie.
Quellen
Jede Zahl ist belegt
Alle Werte stammen aus Antworten des Senats auf parlamentarische Anfragen und wurden gegen die Original-Drucksachen geprüft. Ein Klick auf eine Säule im Diagramm öffnet die jeweilige Drucksache direkt.