Thies-Martin Brandt
Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Untreue: 5.000-Mark-Spende an die SPD aus dem Unternehmensumfeld.
Quelle — Tagesspiegel
Akteur-Profil
30 Jahre an der Schnittstelle von Berliner Politik und landeseigener Wohnungswirtschaft. Vom Bezirksstadtrat zum degewo-Vorstand — und zurück in die Politik.
Karriereverlauf
Quelle — taz-Interview mit Frank Bielka, 1991
Quellen — Drs. 12/2212 (Missbilligungsantrag); Drs. 12/2533 (Sanierungsantrag, 60 Mio. DM)
Quelle — Plenarprotokoll 12/50, Abgeordnetenhaus von Berlin, 1993
Quellen — Tagesspiegel, 18.10.1999; KA 13/5262, Antwort zu 5
Quellen — KA 13/5262 (22.12.1999); KA 14/219 (01.04.2000)
schamloser Absicht der Selbstbereicherung(taz: „SPD: Bielka soll raus aus Partei“). Auch der parteiinterne „Donnerstagskreis“ sprach sich gegen Bielkas Berufung aus (taz: „Frank Bielka soll arbeitslos werden“). Bielka versuchte juristisch gegen die taz-Berichterstattung vorzugehen; das Berliner Landgericht wies seine Gegendarstellungsforderung jedoch ab (taz: „Abblitzen“) — die kritische Darstellung war demnach gerichtsfest.
Korruption passiert nicht nur mit Geld, sondern auch mit Posten in öffentlichen Unternehmen.(taz: „Auszeit für alle Bielkas“).
Quellen — taz: „SPD: Bielka soll raus aus Partei“; taz: „Abblitzen“; taz: „Bielka soll arbeitslos werden“; taz: „Auszeit für alle Bielkas“
Quelle — Drs. 18/20 913 (StS Scheel, 23.09.2019)
Bedeutung
Frank Bielka verkörpert wie keine andere Person die strukturelle Verflechtung zwischen Berliner SPD und landeseigener Wohnungswirtschaft. Er ist kein Einzelfall — er ist das System.
Als Staatssekretär für Bau- und Wohnungswesen erlebte Bielka 1992 den Gutachten-Skandal in Friedrichshain mit — seine eigene Senatsverwaltung stand im Zentrum des Vorwurfs, Asbestbewertungen politisch herabgestuft zu haben (Drs. 12/2212). 1993 hält er in einer Anfrage zur Friedrichshainer Asbestsanierung eine unabhängige Mieterberatung für „nicht erforderlich". Als er 1999–2000 für 62.800 Wohnungen entschied, dass die Mieter nicht informiert werden, und anschließend die degewo übernahm, brachte er dieses Wissen mit — und die Gewissheit, dass Stillschweigen bisher ohne Konsequenzen geblieben war.
Die zentrale Frage ist nicht, ob Bielka persönlich von der Asbestbelastung wusste — bei einem fünfstelligen Asbestbestand im eigenen Unternehmen (Größenordnung: 14.400 im Jahr 2000, 22.100 im Jahr 2015) ist das kaum vorstellbar. Die Frage ist: Warum wurde unter seiner Führung keine systematische Aufklärung der Mieter eingeleitet?
Eine mögliche Antwort liegt in den finanziellen Dimensionen: Bei den heute (Stand 31.12.2025) gemeldeten 23.883 degewo-Wohnungen inkl. Verdacht (Drs. 19/25 368) und Sanierungskosten von geschätzt 10.000 bis 50.000 Euro pro Einheit (obere Bandbreite umfassender Sanierungen) bewegen sich die potenziellen Sanierungskosten zwischen rund 240 Millionen und 1,2 Milliarden Euro. Dazu kämen Mietminderungsansprüche: Nach der Rechtsprechung des AG Eutin (Juni 2018: asbestbelastete Wohnung als unbewohnbar einzustufen, voller Anspruch auf Ersatzunterkunfts-Kosten — faktisch bis zu 100 %) hochgerechnet auf den degewo-Bestand — ein existenzbedrohendes Szenario für jedes Wohnungsunternehmen.
Die Zahlen legen nahe, dass die Entscheidung, Mieter nicht zu informieren, keine Nachlässigkeit war — sondern eine betriebswirtschaftliche Kalkulation auf Kosten der Gesundheit Tausender Mieter.
Bielkas Wechsel in die Geschäftsführung der degewo Nord nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand zeigt: Selbst nach dem formalen Abschied aus der Führungsetage blieb Bielka Teil des degewo-Universums. Die gleichen Personen, die das Asbestproblem hätten adressieren müssen, bleiben dem Unternehmen verbunden.
Kontext
Bielka ist kein Einzelfall. Die Verflechtung zwischen Berliner SPD und degewo erstreckt sich über Jahrzehnte und mehrere Personen.
Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Untreue: 5.000-Mark-Spende an die SPD aus dem Unternehmensumfeld.
Quelle — Tagesspiegel
Unter Beck wurde die Informationspolitik gegenüber Mietern nicht grundlegend verändert.
Frank Bielka ist Teil eines größeren Systems. Politik, Unternehmensführung, Krisenkanzlei, Justiz — alle Akteure im Überblick.