Recherche

Von asbest-berlin.de zum Berliner Asbest-Skandal

Was sich ändert — und warum die alte Seite nicht mehr ausreichte.

Seit 2018 dokumentiert asbest-berlin.de, wie die degewo — Berlins größte landeseigene Wohnungsgesellschaft — mit der Asbestbelastung in ihren Beständen umgeht. Was als persönliche Dokumentation eines Einzelfalls begann, ist inzwischen eine Recherche, die parlamentarische Anfragen, Gerichtsakten, Polizeiberichte und interne Dokumente umfasst.

Die Seite unter asbest-berlin.de hat wichtige Arbeit geleistet. Sie hat den Fall öffentlich gemacht, Medienberichte angestoßen und anderen Betroffenen gezeigt, dass sie nicht allein sind. Aber sie hatte immer eine Schwäche: Sie hat die Zusammenhänge nie vollständig aufgearbeitet.

Was fehlte

Die rechtliche Auseinandersetzung wurde auf asbest-berlin.de nur stellenweise zitiert — einzelne Dokumente, einzelne Zitate, ohne den Zusammenhang, der sie einordnet. Das Strafverfahren, das die Polizei drei Monate lang führte und das die Staatsanwaltschaft in einem einseitigen Bescheid einstellte, war nie lückenlos dokumentiert. Die Chronologie — vom ersten Verdacht über die Asbestanalyse bis zur Gegenklage — fehlte komplett. Wer verstehen wollte, was passiert war, musste sich die Geschichte aus Bruchstücken zusammensetzen.

Die Informationspflicht des Vermieters — dass Gerichte sie bestätigt haben, dass es Urteile gibt, die klar sagen: Wer Asbest verschweigt, haftet — war nicht aufbereitet. Betroffene, die auf die Seite kamen, fanden Empörung, aber nicht immer die konkreten Informationen, die sie brauchten.

Was sich ändert

Unter berliner-asbest-skandal.de wird die Recherche jetzt so geführt, wie sie von Anfang an hätte geführt werden sollen. Strukturiert. Vollständig. Nachvollziehbar.

Das bedeutet konkret:

Was gleich bleibt

Das Projekt bleibt unabhängig. Keine institutionelle Förderung, keine Partei, kein Verband. Die Recherche stützt sich auf öffentlich zugängliche Dokumente — parlamentarische Anfragen, Gerichtsurteile, Konzernberichte, behördliche Aktenzeichen — und auf Dokumente aus dem eigenen Fall, die vollständig vorliegen.

Die Seite verkauft nichts, sammelt keine Daten und verfolgt kein wirtschaftliches Interesse. Sie existiert, weil tausende Berliner Mieter ein Recht darauf haben zu wissen, was in ihren Wohnungen verbaut ist — und weil die Institutionen, die sie schützen sollten, das bis heute nicht tun.

Warum jetzt

Acht Jahre nach dem ersten Verdacht ist der Fall nicht abgeschlossen. Die degewo verwaltet laut eigenen Angaben noch 6.736 asbestbelastete Wohnungen. Die Informationspflicht gegenüber Mietern wird weiterhin nicht umgesetzt. Das Strafverfahren wurde eingestellt, der Rechtsweg ist nicht erschöpft.

Was 2018 mit einer persönlichen Erfahrung begann, ist längst größer als ein Einzelfall. Die parlamentarischen Anfragen zeigen: Über 29.000 Wohnungen der landeseigenen Gesellschaften in Berlin sind betroffen. Die Gefahrstoffverordnung, die eine Erkundungspflicht für Eigentümer vorsah, wurde auf Druck der Immobilienlobby entschärft. Und in den Wohnungen leben Menschen, die nicht wissen, dass sie bei jeder Renovierung Asbestfasern freisetzen könnten.

Die alte Domain hat ihren Zweck erfüllt. Die neue führt weiter, was dort begonnen wurde — mit der Gründlichkeit, die das Thema verdient.