Der Vermieter
Wusste von der Belastung. Informierte die Mieter nicht. Genehmigte Renovierungen in asbestbelasteten Wohnungen.
Tausende Berliner Wohnungen enthalten Asbest. Die landeseigenen Vermieter wissen das — seit Jahrzehnten. Den Mietern wird es verschwiegen.
Februar 2012. Die degewo genehmigt einem Neumieter die Renovierung einer Asbestwohnung. Schriftlich. Er reißt den Boden raus, fräst den Kleber vom Estrich — ohne zu wissen, dass er Asbest einatmet.
Die degewo hat das Wohnhaus selbst errichtet. Die Asbestbelastung war intern dokumentiert. Dem Mieter sagte man — nichts.
Quelle — Renovierungsgenehmigung v. 04.02.2012; EU-RL 1999/77/EG; LG Berlin 66 S 212/18
Dies ist kein Einzelfall.
degewo: 6.736 Wohnungen. Gewobag: 7.758. Howoge: 6.678. GESOBAU: verweigert jede Auskunft. Bei den landeseigenen Gesellschaften insgesamt: mindestens 29.153 — nur die, die antworten. Stand 31.12.2024, Drs. 19/23 946. Aufschlüsselung →
„Da bei bestimmungsgemäßen Umgang mit dem Vermietereigentum keine Gefährdung besteht, erfolgt keine Mieterinformation."
Frank Bielka, Staatssekretär für Bauen — später Aufsichtsrat, dann Vorstand der degewo. Kleine Anfrage 14/219, Jahr 2000. Damals: 14.400 degewo-Wohnungen betroffen.Übersetzt: Solange niemand renoviert, kein Risiko — also informiert man niemanden. Wer aber nicht weiß, dass Asbest verbaut ist, renoviert irgendwann. Die degewo genehmigt es sogar — schriftlich.
Wer Asbest in einer Wohnung kennt und trotzdem eine Renovierung genehmigt, hat nicht vergessen zu warnen. Er hat entschieden, es nicht zu tun.
Die vollständige Chronologie →
Quelle — Kleine Anfrage 14/219 (Berliner Abgeordnetenhaus, 2000); Drs. 19/23 946 (2025). Alle 37 parlamentarischen Anfragen →
Eisenberg, König, Schork & Kempgens. Eine der teuersten Kanzleien Berlins — spezialisiert auf Strafrecht und Krisenberatung. Eingesetzt gegen einen einzelnen Mieter in einem Asbestfall. Bezahlt mit öffentlichem Geld.
Prozesskostenhilfe — abgelehnt (AG Wedding, Az. 14 C 250/19). Die degewo kämpft mit unbegrenzten Mitteln. Der Mieter steht allein.
Welche Urteile das Gericht dabei ignorierte →
Quelle — Schriftsätze EKSK; AG Wedding, Az. 14 C 250/19 (20.12.2019)
Mai 2021. Strafanzeige wegen unerlaubtem Umgang mit gefährlichen Abfällen und fahrlässiger Körperverletzung. Das LKA 336 übernimmt — Berlins Spezialeinheit für Umweltkriminalität.
§ 326 StGB — unerlaubter Umgang mit gefährlichen Abfällen — ist ein Offizialdelikt. Das heißt: Die Staatsanwaltschaft muss ermitteln. Nicht darf. Muss. Bei tausenden asbestbelasteten Wohnungen eines Unternehmens, das dem Land Berlin gehört, stellt sie das Verfahren ein. Keine Anklage. Keine Auflagen. Kein einziger Beschuldigter wurde auch nur befragt.
Quelle — StA Berlin, Az. 281 UJs 699/21; LKA 336, Vorgangs-Nr. 210701-0735-031401
Der Verursacher
saniert sich selbst.
2022 gründet die degewo eine eigene Tochterfirma: die degewo Technische Dienste GmbH (dTD). Ihr Auftrag: die Asbestsanierung der degewo-Wohnungen. Der Verursacher wird zum Sanierer. Wer kontrolliert die Qualität? Dokumentiert ist: niemand Unabhängiges.
Wusste von der Belastung. Informierte die Mieter nicht. Genehmigte Renovierungen in asbestbelasteten Wohnungen.
Nannte das Asbestproblem ein „taktisches Manöver" des Mieters. Bezahlt mit öffentlichem Geld.
Stellte das Verfahren ein. Bei einem Offizialdelikt. Kein einziger Beschuldigter wurde befragt.
Verweigerte dem Mieter finanzielle Hilfe für den Prozess. Die degewo kämpfte mit unbegrenzten Mitteln.
Keine große Berliner Redaktion reagierte — trotz direkter Anfragen. Nur die Berliner Woche berichtete. Das ARD-Magazin Kontraste fand den Fall über eigene Recherche und berichtete im Januar 2020.
Erst Staatssekretär für Bauen, dann Aufsichtsrat, dann Vorstand der degewo. Über zwei Jahrzehnte im System.
Kein Einzelversagen. Ein geschlossenes System.
Quelle — Das Netzwerk →
Beide gehören dem Land Berlin. Im einen Fall: sofortige Schließung. Im anderen: Schweigen.
Das ist kein Versehen. Asbest kostet den Vermieter Geld — Mietminderung, Sanierungskosten. Genau deshalb steht es im Prospekt für Investoren. Genau deshalb erfahren es die Mieter nicht.
Was Wirtschaftsprüfer wissen — und was Mieter nicht erfahren. Zur Analyse →
Welche Argumente die degewo verwendet und wie sie einzuordnen sind: Faktencheck →
Quellen — degewo Konzernlagebericht 2017 (PwC); Deutsche Wohnen Börsenprospekt 2011, S. 170–171; Kleine Anfrage 14/219 (2000)
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